Bundesjugendministerin Manuela Schwesig: "Zentrum Eigenständige Jugendpolitik weiterhin als Partner an meiner Seite"

Bundesjugendministerin Manuela Schwesig hat sich deutlich zur Entwicklung einer Eigenständigen Jugendpolitik bekannt. In ihrer Rede zum Abschluss des 15. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetages zeigte sie Perspektiven für die aktuelle Legislatur auf. Das Zentrum Eigenständige Jugendpolitik gehört als Partner dazu.

Aus der Rede der Bundesjugendministerin:

„Wenn wir über die aktuellen Herausforderungen sprechen, ist oft und zu Recht vom demografischen Wandel die Rede. Wir diskutieren über Kinderwünsche und Familienpolitik, über Rente und Pflege. Aber zu selten geht es dabei um die Jugendlichen. Diese Generation wird in 20, 30 Jahren unsere Gesellschaft prägen. Die Auswirkungen des demografischen Wandels werden diese Generation besonders treffen. Demografiepolitik ohne die Jugendlichen geht nicht. Ich will deshalb eine neue Weichenstellung in der Demografiestrategie der Bundesregierung herbeiführen. Als Jugendministerin will ich der jungen Generation mit einer neuen Arbeitsgruppe "JUGEND GESTALTET ZUKUNFT" dort eine Stimme verschaffen. Das war von Anfang an auch eine Forderung des Deutschen Bundesjugendrings. Mir geht es - und das will ich ausdrücklich betonen - nicht darum, eine Generation gegen die andere auszuspielen. In den Köpfen der Jugendlichen gibt es sowieso keinen Generationenkonflikt. Zwei Drittel der jungen Leute verstehen sich gut mit älteren Menschen, und 60 Prozent glauben, dass Jung und Alt gleichermaßen voneinander profitieren können. Es geht um das Miteinander.

Aber Jugend ist Zukunft. Jugend stand immer für Veränderung, für den Mut, Neues zu schaffen. Jede Gesellschaft braucht den Rat und die Impulse der Jugend. Einen großen Teil meiner Aufmerksamkeit in dieser Legislaturperiode will ich deshalb den Jugendlichen widmen.

Jugend ist eine ganz eigenständige Lebensphase mit ihren Herausforderungen und ihren Möglichkeiten. Wir brauchen deshalb eine Jugendpolitik, die diese eigenständige Lebensphase in den Blick nimmt. Eine Politik, die nicht nur auf Probleme und Defizite schaut, sondern vor allem Perspektiven und Freiräume eröffnet. Eine Eigenständige Jugendpolitik. Eigenständig heißt, dass ich die Lebensphase Jugend politisch nicht in Einzelabschnitte und Ressortzuständigkeiten unterteilen will. Dieser wichtige und prägende Lebensabschnitt muss als Ganzes und damit auch in seiner ganzen Bedeutung wahrgenommen werden. Jugend ist eine Lebensphase, die heute früher im Leben beginnt und später endet. Es ist immer noch der Lebensabschnitt, in der ein Mensch vom Kind zum Erwachsenen wird, eine erwachsene Persönlichkeit entwickelt und den eigenen Platz in der Gesellschaft findet. Es ist immer noch eine Phase des Ausprobierens, des Entscheidens und Um-Entscheidens. Aber Jugend verändert sich und wird vielfältiger. Politik und Gesellschaft sind heute anders gefordert, um die Bedürfnisse, Interessen und Gestaltungsmöglichkeiten junger Menschen zu berücksichtigen.

Ich will deshalb bei der Eigenständigen Jugendpolitik in dieser Legislaturperiode vom Reden zum Handeln kommen. Die Entwicklung einer Eigenständigen Jugendpolitik war in den vergangenen Jahren ein breit angelegter Prozess, an dem viele mitgewirkt haben. Allen Beteiligten - insbesondere allen, die im Zentrum zur Entwicklung einer Eigenständigen Jugendpolitik mitgearbeitet haben - danke ich herzlich für die Arbeit. (...) Ich möchte gern (...) auf die guten Vorarbeiten aufbauen und das Zentrum für Eigenständige Jugendpolitik weiterhin als Partner an meiner Seite wissen.

Für mich steht bei der Eigenständigen Jugendpolitik im Vordergrund, dass

  • wir junge Menschen beteiligen,
  • dass wir sie mitnehmen und mitmachen lassen bei allen sie betreffenden Entscheidungen und Maßnahmen
  • und dass wir die Organisationen und Institutionen stärken, die das ermöglichen.

Deshalb wird das Bundesjugendkuratorium als beratendes Gremium der Bundesregierung bei der Weiterentwicklung der Eigenständigen Jugendpolitik eine wichtige Rolle übernehmen.

Ich möchte darüber hinaus, dass die Interessen von Jugendlichen zukünftig bei Vorhaben des Bundes systematisch beachtet und eingebracht werden. Wir werden deshalb gemeinsam mit Jugendlichen einen Jugend-Check entwickeln, der überprüft, ob die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen berücksichtigt werden.

Ich weiß, dass es bei den Jugendverbänden schon viele gute Ideen und konkrete Werkzeuge zur besseren Beteiligung von Kindern und Jugendlichen gibt. Auf diese Arbeit und praktischen Erfahrungen werden wir zurückkommen. Wichtig ist mir, dass wir zukünftig auch junge Menschen mitnehmen, die besondere Unterstützung brauchen. (...) Dazu gehören zum Beispiel auch Schulverweigerinnen und Schulverweigerer, aber auch diejenigen, die nach der Schule nicht so schnell einen Anschluss finden. Unser neues ESF-Modellprogramm "JUGEND STÄRKEN im Quartier" wird die Kommunen dabei unterstützen, gerade diese jungen Menschen am Übergang von Schule und Beruf sehr individuell zu begleiten und zu fördern.

Entscheidend für den Erfolg der Eigenständigen Jugendpolitik ist selbstverständlich weiterhin das Engagement der Jugendverbände. Ohne sie geht es nicht! In den Jugendverbänden lernen Kinder und Jugendliche, sich selbst zu organisieren. Sie finden dort ihre eigenen Orte, gestalten ihr eigenes Miteinander. Ich habe viele Vertreterinnen und Vertreter der Jugendverbände im letzten Monat treffen und mich von der unglaublichen Vielfalt ihrer Arbeit überzeugen können. Ob Pfadfinder oder Trachtenjugend, ob Sportjugend oder Jugendfeuerwehr: es gibt so viel Energie und Leidenschaft für die Belange von Kindern und Jugendlichen in Deutschland! Dieses vielfältige und faszinierende Engagement ist unsere gemeinsame Chance im Dialog auf Augenhöhe, das Leben von Kindern und Jugendlichen in Deutschland weiter Stück für Stück zu verbessern. Jugendverbände sprechen auch in der Öffentlichkeit für die junge Generation. Daher sind sie unverzichtbare Partner der Jugendpolitik. Ich möchte, dass sich dies auch in einer besseren Förderung der Jugendverbände niederschlägt. Wenn es nach mir geht, dann heißt das auch mehr finanzielle Mittel für die Jugendverbände. Ich werde mich jedenfalls dafür einsetzen und brauche dabei auch Ihre Unterstützung.

Eine Eigenständige Jugendpolitik kann an die lange Tradition eigenständiger Organisation von Jugendlichen und ihren Verbänden in Deutschland anknüpfen. Aber es muss uns gemeinsam gelingen, noch stärker auch die Jugendlichen mitzunehmen, die bisher nicht so gut von der Arbeit der Verbände erreicht werden.”

Die vollständige Rede findet sich auf den Seiten des BMFSFJ.

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