Bei der Entwicklung einer Eigenständigen Jugendpolitik standen drei konkrete Anwendungsfelder im Mittelpunkt des Interesses: „Schule und außerschulische Lern- und Bildungsorte”, „Beteiligungschancen und -anlässe im politischen und öffentlichen Raum” sowie „Übergangsgestaltung von der Schule in die Arbeitswelt”. Zu diesen Bereichen wurden vom Zentrum Eigenständige Jugendpolitik Expertisen beauftragt. Darüber hinaus haben Expertengruppen Herausforderungen und Handlungsbedarfe identifiziert und entsprechende Empfehlungen erarbeitet. Die Expertinnen und Experten wurden durch das Bundesjugendministerium, die Obersten Landesjugendbehörden, die kommunalen Spitzenverbände, das Deutsche Jugendinstitut, die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ, den Deutschen Bundesjugendring sowie das Bundesjugendkuratorium als Fachpersonen benannt. Ihre Empfehlungen stellen keine bindenden Beschlüsse dar, sind aber ein wichtiger Beitrag zur weiteren Konkretisierung jugendpolitischen Handelns.

Folgende Expertisen bzw. Empfehlungen liegen vor:

  • „Analyse des 4. Bildungsberichts aus der Perspektive der Übergangsgestaltung” (Expertise von Martin Baethge und Markus Wieck)

  • „Die Rolle von Peers, neuen Medien und Online-Communitys bei der Berufsorientierung” (Expertise von Sarah Beierle)

  • „Partizipation von Kindern und Jugendlichen in Ganztagsschulen” (Expertise von Ivo Züchner, Thomas Coelen und Anna Lena Wagener)

  • „Ganztagsangebote für Jugendliche. Eine Expertise zum Stellenwert von Ganztagsangeboten für Schüler/innen ab der 9. Klasse” (Expertise von Bettina Arnoldt, Peter Furthmüller und Christine Steiner)

  • „Lebenslagen Jugendlicher als Ausgangspunkt kommunaler Politikgestaltung“ (Expertise von Liane Pluto, Eric van Santen und Mike Seckinger)

  • „Non-formale und informelle Lernprozesse in der Jugendarbeit und ihre Nachweise” (Expertise von Stephanie Baumbast, Frederike Hofmann-van de Poll und Christian Lüders)

  • „Gelingende Übergänge im Jugendalter: Unterstützen – Befähigen – Beteiligen – Begleiten“ (Empfehlungen einer Expertengruppe des Zentrums Eigenständige Jugendpolitik unter Leitung von Birgit Reißig und Elke Schreiber)

  • „Das Wohlbefinden Jugendlicher in Schule und außerschulischen Lern- und Bildungsorten“ (Empfehlungen einer Expertengruppe des Zentrums Eigenständige Jugendpolitik unter Leitung von Sabine Andresen und Oliver Böhm-Kasper)

  • „Zur Förderung demokratischer Partizipation junger Menschen“ (Empfehlungen einer Expertengruppe des Zentrums Eigenständige Jugendpolitik unter Leitung von Wolfgang Gaiser und Claudia Zinser)

Analyse des 4. Bildungsberichts aus der Perspektive der übergangsgestaltung

Im Auftrag des Zentrums Eigenständige Jugendpolitik haben Martin Baethge und Markus Wieck vom Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen eine Analyse des 4. Bildungsberichts aus der Perspektive des jugendpolitischen Anwendungsfeldes „Übergangsgestaltung von der Schule in die Arbeitswelt“ angefertigt.Die Analyse konzentriert sich auf zwei Übergangsschwellen, aus denen einige Folgerungen für jugendpolitische Perspektiven gezogen werden.

  1. der Übergang von der allgemeinbildenden Schule in Berufsausbildung oder Arbeitsmarkt;
  2. der Übergang von der Berufsbildung unterhalb der Hochschulebene in den Arbeitsmarkt oder weiterführende Ausbildung (Hochschule).

Die rolle von peers, neuen medien und online-communitys bei der berufsorientierung

Eine weitere Expertise zum Themenfeld "Übergangsgestaltung", mit der das Zentrum Eigenständige Jugendpolitik Sarah Beierle vom Deutschen Jugendinstitut beauftragt hat, beschreibt die Rolle von Peers, neuen Medien und Online-Communitys bei der Berufsorientierung. Bei der Expertise geht es darum, welchen Einfluss Peer-Beziehungen in formalen, non-formalen sowie informellen Settings auf berufliche Orientierungsprozesse haben, inwiefern Neue Medien dabei eine Rolle spielen und wie sich diese Einflüsse hinsichtlich derer anderer Akteure des Übergangs (Eltern, Lehrer/innen, Berufsberater/innen, etc.) unterscheiden.
Die Expertise bündelt zunächst theoretisches Hintergrundwissen zur Rolle der Peers im Jugendalter und speziell zu ihrer Bedeutung in beruflichen Orientierungsprozessen. Daran anschließend werden verschiedene pädagogische Peer-Involvement-Ansätze vorgestellt und anhand von Praxisbeispielen beleuchtet. Welche Rolle die Neuen Medien hinsichtlich ihrer Nutzung und Potentiale im Bereich der Berufsorientierung einnehmen, wird anschließend analysiert und bewertet, wobei hier ein besonderer Fokus auf den interaktiven Online-Communitys liegt. Da Fragen des Einflusses von Peergroups auf berufliche Orientierungs- und Entscheidungsprozesse bisher kaum empirisch fundiert untersucht wurden, wurden quantitative und qualitative Studien, die sich allgemein mit beruflicher Orientierung beschäftigt haben, in Hinblick auf Peerbeziehungen sekundäranalytisch reanalysiert. Die sich aus der Literaturrecherche und den Sekundäranalysen ergebenden Anhaltspunkte waren Ausgangspunkt für den Leitfaden von Gruppendiskussionen, die im Klassenverband durchgeführt wurden. Darin wurden Jugendliche insbesondere zu ihren Erfahrungen mit und in Peergroups in Hinblick auf ihre berufliche Orientierung befragt. Auf Grundlage der datenbasierten Erkenntnisse werden schließlich Handlungsempfehlungen dazu ausgesprochen, wie Politik und Verwaltung Orientierungsprozesse am Übergang Schule-Beruf auf der Ebene der Peers wirksam unterstützen können

Partizipation von kindern und jugendlichen in ganztagsschulen

Ivo Züchner, Thomas Coelen und Anna Lena Wagener haben im Auftrag des Zentrums Eigenständige Jugendpolitik eine Expertise zum Thema "Partizipation von Kindern und Jugendlichen in Ganztagsschulen" verfasst. Die Expertise gibt Antworten auf die Fragen, wie sich Mitbestimmung in der Ganztagsschule äußert und ob die Ganztagsform andere und neue Varianten der Partizipation von Schülerinnen und Schülern einbringt, als es bislang in der unterrichtszentrierten Schule gab.
Züchner, Coelen und Wagener stellen in ihrer Expertise die notwendigen theoretischen Grundlagen zur Partizipation in der Schule zusammen, etwa zu Begriffen, Konzepten, grundsätzlichen Problemen und verschiedenen Graden von Partizipation. Darüber hinaus fassen sie den Forschungsstand und eigene empirische Ergebnisse zur Partizipation in (Ganztags-)Schulen zusammen. Die Expertise umfasst schließlich auch konzeptionelle Überlegungen und Empfehlungen für Schülerpartizipation in Ganztagsarrangements.
Die Ganztagsschule eröffnet, so bilanzieren Züchner, Coelen und Wagener abschließend, „durch die Notwendigkeit einer konzeptionellen Selbstvergewisserung, durch zusätzliche und potentiell offenere Zeitkontingente, durch das Zusammenspiel von unterschiedlichen Bildungskonzepten, durch das Zusammenwirken verschiedener Professionen und Personen und dem Einbezug von Kooperationspartnern – die gerade aus dem außerschulischen Bereich eine starke Partizipationsorientierung in die Schule tragen können – neue Möglichkeiten von Beteiligung und Partizipation in der Schule (...). Die benannten Empfehlungen werden als Eckpunkte einer anstehenden Weiterentwicklung der Qualität von Ganztagsschulen vorgeschlagen. Die vorgängige empirische Bestandsaufnahme zeigt, dass hier durchaus noch Entwicklungsbedarf festgestellt werden kann.”

Ganztagsangebote für Jugendliche. Eine Expertise zum Stellenwert von Ganztagsangeboten für Schüler/innen ab der 9. Klasse

Im Auftrag des Zentrums Eigenständige Jugendpolitik haben Bettina Arnoldt, Peter Furthmüller und Christine Steiner eine Expertise zum Thema „Ganztagsangebote für Jugendliche” vorgelegt. Die Expertise beleuchtet den Stellenwert von Ganztagsangeboten für Schülerinnen und Schüler ab der 9. Klasse.
Die in der Expertise präsentierten Daten lassen darauf schließen, dass das Ganztagsangebot für ältere Schülerinnen und Schüler nach wie eingeschränkter ist als das für jüngere. Diese altersspezifische Schwerpunktsetzung wird nicht zuletzt auf knappe Mittel zurückgeführt. Neben einer bedarfsgerechten Ausstattung empfehlen Arnoldt/Furthmüller/Steiner, dass Ganztagsschulen und ihre Kooperationspartner eine klarere Vorstellung von dem entwickeln, was ein nicht-unterrichtliches Lernen ausmacht.
Darüber hinaus sollten Ganztagsangebote stärker an der schulischen Laufbahn, den individuellen Lebensverläufen und den altersspezifischen Interessen der Schülerinnen und Schüler orientiert werden. „Zufriedenheit und Akzeptanz hängen in erheblichem Maße von den konkreten Angeboten ab, weshalb sich Verbesserungen der Angebotsqualität lohnen", so eine der Schlussfolgerungen. Besonderes Augenmerk sei auf das Moment der Freiwilligkeit bzw. der Wahlmöglichkeiten zu richten, das im Hinblick auf eine damit einhergehende ungleiche Teilnahme einerseits problematisch sei, andererseits entfalteten Ganztagsangebote vor allem dann ihr volles Potenzial, wenn Kinder und Jugendliche sich aus freien Stücken dafür entscheiden.

Lebenslagen Jugendlicher als Ausgangspunkt kommunaler Politikgestaltung

Liane Pluto, Eric van Santen und Mike Seckinger haben in Auftrag des Zentrums Eigenständige Jugendpolitik eine Expertise zum Thema „Lebenslagen Jugendlicher als Ausgangspunkt kommunaler Politikgestaltung“ verfasst. Die Expertise hat das Ziel, Anregungen über beteiligungsorientierte Möglichkeiten der empirischen Beschreibung von Lebenslagen Jugendlicher auf kommunaler Ebene zu geben, um so die Grundlage kommunaler jugendpolitischer Entscheidungen zu verbessern. Ein besonderer Fokus richtet sich hierbei auf die Jugendhilfeplanung, da diese gesetzlich verpflichtend ist und auf einer Analyse der Lebenslagen von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien aufzubauen ist.
Die Expertise ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil befasst sich mit den Wegen lebenslagenorientierter Begründungen für die kommunale Jugendpolitik und konzentriert sich exemplarisch auf die Jugendhilfeplanung. Der zweite Teil befasst sich darauf aufbauend damit, wie beteiligungsorientierte Formen der Erhebung von Lebenslagen aussehen könnten.

Expertise „Non-formale und informelle Lernprozesse in der Jugendarbeit und ihre Nachweise“

Stephanie Baumbast, Frederike Hofmann-van de Poll und Christian Lüders haben im Auftrag der Bund-Länder-AG zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie und des BMFSFJ ihre Expertise „Non-formale und informelle Lernprozesse in der Jugendarbeit und ihre Nachweise” vorgelegt.
Vor dem Hintergrund der Diskussion um die Validierung außerschulischer Lern- und Bildungsprozesse einerseits und der Sorge weiter Bereiche der Jugendarbeit andererseits, zunehmend für die Bereitstellung arbeitsmarktrelevanter Qualifikationen in Anspruch genommen zu werden, unternimmt die Expertise den Versuch, die Möglichkeiten und Grenzen von Verfahren der Ermittlung, Dokumentation, Bewertung und Bescheinigung non-formaler Lern- und Bildungsprozesse in der Jugendarbeit auszuloten. Die Expertise identifiziert Herausforderungen und Perspektiven und bietet eine Grundlage für die Weiterentwicklung der Strategien von Bund und Ländern.
Auf der Basis  der Klärung der wesentlichen Begriffe entwickelt die Expertise eine Typologie der verschiedenen im Feld der Jugendarbeit antreffbaren Nachweisverfahren. Mit Blick auf die Weiterentwicklung der Eigenständigen Jugendpolitik wie auch des Themenkorridors im Kontext der Umsetzung der EU-Jugendstrategie formuliert die Expertise absehbare Herausforderungen und mögliche nächste Schritte.
Eine wichtige Rolle kommt dabei der Eigenständigen Jugendpolitik zu. Angesichts der Ungleichzeitigkeiten der europäischen und nationalen Entwicklungen käme ihr die Rolle einer die Diskussion bündelnden, klärenden und arbeitsfeldübergreifenden Instanz zu, die auch Bezüge in andere gesellschaftlichen Teilbereiche sowie zur europäischen Diskussion ermöglicht.
Das 80seitige Dokument konfrontiert die konkreten Erwartungen der Europäischen Union mit Blick auf die Validierung non-formalen Lernens mit der aktuellen Realität in Deutschland und schafft eine klare und verständliche Basis in der Diskussion.

gelingende übergänge im jugendalter: unterstützen - befähigen - beteiligen - begleiten

Eine Expertengruppe des Zentrums stellt bei ihren Empfehlungen „Gelingende Übergänge im Jugendalter: Unterstützen – Befähigen – Beteiligen – Begleiten“ die Vorbereitung auf den Übergang von der Schule in die Arbeitswelt, die Schritte beim Übergang selbst sowie faire Bedingungen in der Ausbildungs- und Arbeitswelt in den Mittelpunkt. Die Expertinnen und Experten sind sich darüber einig, dass perspektivisch alle für das Übergangsgeschehen relevanten gesellschaftlichen Gruppen und Akteure (vor allem Jugendliche, Eltern, Schule, Jugendhilfe, Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Medien, Wissenschaft) zusammenwirken müssen. Nur durch Vernetzung und ressortübergreifendes Handeln aller Akteure können die notwendigen Rahmenbedingungen und institutionellen Angebote geschaffen werden. Jugend stärker und vor allem als Ganzes in den Blick zu nehmen, bedeutet keine Beschränkung auf Teilgruppen. Spezifische Bedürfnisse machen es aber aus Sicht der Expertinnen und Experten nach wie vor erforderlich, auch zielgruppenorientierte Politikstrategien zu entwickeln und umzusetzen.

das Wohlbefinden jugendlicher in schule und außerschulischen lern- und bildungsorten

Eine weitere Expertengruppe des Zentrums stellt in ihren Empfehlungen „Das Wohlbefinden Jugendlicher in Schule und außerschulischen Lern- und Bildungsorten“ die Frage in den Mittelpunkt, wie sich das Zusammenspiel von schulischen und außerschulischen Lern- und Bildungsorten am Wohlbefinden von Jugendlichen orientieren kann. Dabei geht es um subjektive Zuversicht und sichere Zukunftsperspektiven, um Erfahrungen, die Selbstwirksamkeit ermöglichen, um die Qualität von Beziehungen, um freie Räume und frei verfügbare Zeit, um Wahlmöglichkeiten und Entscheidungsfähigkeit sowie um faire Zugänge zu Lern- und Bildungsorten.

zur förderung demokratischer partizipation junger menschen

Mit ihren Empfehlungen „Zur Förderung demokratischer Partizipation junger Menschen“ benennt eine dritte Expertengruppe Voraussetzungen für eine nachhaltige und gelingende Beteiligung von Jugendlichen an kommunaler Öffentlichkeit, durch digitale Medien, in Institutionen und an demokratischen Entscheidungen. Zudem werden auch die Handlungsbedarfe zur Förderung demokratischer Partizipation von Jugendlichen durch Länder, Bund und EU in den Blick genommen. Darüber hinaus macht die Expertinnen- und Expertengruppe konkrete Vorschläge zur Änderung des SGB VIII im Hinblick auf die Stärkung der demokratischen Partizipation von Kindern und Jugendlichen.

Link zu www.jugendgerecht.de

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